Dez
Karin auf dem Handwerksmarkt
Karin ist immer auf der Suche. Selbst im Urlaub läuft sie am liebsten auf Märkten herum, auf welchen sie Materialien und Ideen sammelt. Sehr zum Leidwesen ihres Mannes. Aber sie kann es einfach nicht lassen. Als vor einiger Zeit der Handwerksmarkt in der Stadt war, fielen Weihnachten und Ostern für sie zusammen. Die totale Dekoration! Schon als sie davon erfuhr, nahm sie sich zwei Tage Urlaub, um auch wirklich alles bis dahin fertig zu kriegen. Sie war die Erste, die ihren Stand aufgebaut hatte. Die Meisten Leute, die dort verkaufen, tun das, um davon zu leben, Karin lebt um dort gewesen zu sein.
Hätte sie sich an diesen zwei Tagen teilen können, sie hätte es getan. Eine Karin, die hinter ihrem Stand steht und die Thermorollen zum Rotieren bringt, eine Karin, welche mit den anderen Standbesitzern fachsimpelt, noch eine Karin, die selber neue Materialien kauft und schließlich eine vierte Karin, welche das alles überwacht. Dass sie das nicht konnte, schien sie ernsthaft mitzunehmen und so musste schließlich ihr Mann am Stand einspringen, wenn sie mal wieder auf einen ihrer Rundgänge ging.
Als der Markt zu Ende war, hielt sich die Trauer nur deswegen in Grenzen, weil sie sich einen ganzen Jahresvorrat an Stoffen und Eindrücken gesichert zu haben schien. Obwohl sie mehr als nur gut verkauft hatte, bin ich mir nicht mal sicher, ob der Erlös wirklich ausgereicht hat, um die neuen Stoffe zu bezahlen. Aber darum geht es ihr sicher auch nicht. Sollte sie Buch geführt haben – was ich stark annehme –, dann wird der Toner des Druckers für die Inventur kaum gereicht haben. Trotzdem denke ich, dass auch eine Karin diesen Ausnahmezustand nicht länger gewollt haben könnte.